Die Finanzämter starten eine Großoffensive gegen Rentner, die keine Steuern zahlen – auch im Ausland.
Die Hatz beginnt in Nordrhein-Westfalen. Finanzbeamte überprüfen ab sofort gezielt Rentner, die bislang keine Steuererklärung abgegeben haben. Weitere Bundesländer dürften folgen.
Denn alle können nun auf einen gewaltigen Datenschatz zurückgreifen. Die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) in Brandenburg hat sechs Jahre akribisch Informationen von Renten- und Pensionskassen, Versorgungswerken und Lebensversicherern gesammelt.
Bis Frühjahr 2010 hat die ZfA die brisanten Daten Stück für Stück an die Finanzämter übermittelt. Diese haben daraufhin eine erste Phase an Kontrollen eingeleitet.
2005 war der steuerpflichtige Anteil der Rente von 27 auf 50 % gestiegen, wodurch Millionen Senioren plötzlich zahlen mussten.
Nun nehmen die Behörden Rentner ins Visier, die den ZfA-Daten zufolge steuerpflichtig sind, sich aber bisher nicht gemeldet haben. Laut NRW-Finanzministerium werden diese in den kommenden Wochen aufgefordert, ihre Steuererklärungen abzugeben – im Zweifel ab 2005. Wie viele Rentner betroffen sind, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen.
Und damit ist es noch nicht vorbei, denn in wenigen Monaten beginnt die dritte Phase: Von 2013 an tritt Schrittweise die neue EU-Amtshilferichtlinie in Kraft, die den automatischen Informationsaustausch deutlich ausweitet. Dann können Senioren dem Fiskus keine Einkünfte mehr vorenthalten, indem sie das Geld auf ein Konto im Ausland übertragen.
Für viele Senioren besteht nun Handlungsbedarf. Denn wenn das Schreiben des Finanzamts erstmal zugestellt ist, kann es für eine strafbefreiende Selbstanzeige zu spät sein. Wer also noch keine Steuererklärung abgegeben hat, sollte dringend prüfen, ob er dazu verpflichtet gewesen wäre.
Wer eine Erklärung abgeben, aber gar keine Steuern zahlen musste, hat nicht viel zu befürchten. Denn allein für die verspätete Abgabe der Steuererklärung ziehen Finanzämter niemanden zur Rechenschaft. Alle übrigen Rentner müssen auf Kulanz des Finanzamts hoffen. Das Ministerium in NRW hat zumindest versprochen, mit Augenmaß vorzugehen
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